„Veränderung kaum spürbar"

Luftlandebrigade 31 erläutert regionalen Politikern Auswirkungen des Stationierungskonzeptes
Das neue Stationierungskonzept der Bundeswehr sieht für die Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf eine um 780 Dienstposten reduzierte Personalstärke vor. Das hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière vergangene Woche mitgeteilt. Nunmehr sind nähere Einzelheiten bekannt geworden, die die Luftlandebrigade 31 jetzt kommunalpolitischen Vertretern aus der Region präsentierte. Ergebnis: Unterm Strich geht die Truppenführung davon aus, dass die Veränderungen kaum spürbar sein werden.


Ein Grund: Die Reduzierung von 3490 auf 2710 Dienstposten stehe zwar rechnerisch auf dem Papier, so der Standortälteste, Oberstleutnant Markus Thiel. Die Zahl müsse aber relativiert werden, etwa in Bezug auf die tatsächlich besetzten Dienstposten. „Der Realverlust liegt irgendwo bei 400 Dienstposten", schätzt er.Hinzu kommt: Das Standortkonzept als Teil der Neuausrichtung der Bundeswehr solle zum Großteil bis zum Jahr 2015 und vollständig bis 2017 umgesetzt werden. Die Reduzierung der Dienstposten in den kommenden rund vier Jahren bezeichnete er als „insgesamt deutlich moderat".Die Veränderungen seien nach seiner Einschätzung daher im Alltag „wenig bis möglicherweise gar nicht spürbar". Was die neun Patenschaften betrifft, die Einheiten der Bundeswehr aus Seedorf mit hiesigen Kommunen pflegen, so wolle das Militär daran festhalten und die Kontakte aufrecht erhalten. Mehr noch: Die Integration der Militärs in die zivile Gesellschaft der Region solle „eher noch forciert und gestärkt werden", kündigte der Standortälteste an.Oberstleutnant Markus Thiel bestätigte abermals, die Unterstützung des Militärs von Seiten der Gemeinden sei „wirklich bemerkenswert". So hoffe er, dass diese „Einbettung in die Region" bestehen bleibe. Dabei bezog er sich insbesondere auf den nächsten Afghanistan-Einsatz, der für die Seedorfer Truppe im Jahr 2013 ansteht. Dieser Auftrag genieße absolute Priorität.Für den Kommandeur der Luftlandebrigade 31, General Reinhardt Zudrop, ergibt die Neustrukturierung der Bundeswehr in dreierlei Beziehung Sinn: Die Finanzierbarkeit der Bundeswehr müsse gewährleistet sein, es seien „demografiefeste Streitkräfte" erforderlich, außerdem gelte es, die Truppe für Einsätze zu optimieren. Die Strukturreform decke alle drei Punkte ab. Der Brigadegeneral geht deshalb davon aus, dass trotz mancher Härten und Einbußen für Betroffene die Streitkräfte und Soldaten insgesamt profitieren werden.Außerdem stellte er klar, dass der bevorstehende Afghanistan-Einsatz „Taktgeber für Umstrukturierungsmaßnahmen" sei. Das bedeutet: Frühestens 2014, also nach der Rückkehr aus dem Einsatz, seien „Maßnahmen umzusetzen, die für die Luftlandebrigade 31 zutreffen".Zevens Bürgermeister Hans-Joachim Jaap bestätigte die Einschätzung der Militärs, dass die Reduzierung der Personalstärke relativ moderat ausgefallen sei: „Ich glaube kaum, dass wir diese Veränderungen wahrnehmen werden."Abgesehen von neuen Namen und Strukturen der Seedorfer Bundeswehrverbände bleibe im Prinzip alles wie gehabt, was Hans-Joachim Jaap ausdrücklich begrüßte. Auch in Sachen zivil-militärischer Integration solle der erfolgreich eingeschlagene Weg fortgesetzt werden.Erster Kreisrat Dr. Torsten Lühring befand, natürlich sei jeder wegfallende Dienstposten ein Verlust, doch das Stationierungskonzept hätte für den Landkreis Rotenburg deutlich schlechter ausfallen können. Wobei er relativierte, dass die fast vollständige Auflösung des Standortes Visselhövede ein „schwerer Schlag" sei. Bilanzierend betonte Dr. Lühring: Die Bundeswehr sei der größte Arbeitgeber im Landkreis. „Ich bin froh, dass es so bleibt."

 

Artikel der Zevener Zeitung am 02.11.2011