Gemischte Gefühle in Seedorf

Bundeswehrreform: Fallschirmjäger-Kaserne verliert 780 Dienststellen, Standort bleibt erhalten

Trotz allem: Der Standortälteste Oberstleutnant Markus Thiel spricht von einem „guten Tag“ für den Bundeswehr-Standort Seedorf.Trotz allem: Der Standortälteste Oberstleutnant Markus Thiel spricht von einem „guten Tag“ für den Bundeswehr-Standort Seedorf.

Die gute Nachricht zuerst: Der Bundeswehr-Standort Seedorf bleibt erhalten, und zwar mit einer weiterhin großen Personalstärke. Die schlechte Nachricht: Die Zahl der bisher 3490 Dienststellen wird auf 2710 reduziert. Das geht aus dem Stationierungskonzept hervor, das Verteidigungsminister Thomas de Maizière gestern vorgestellt hat.

 

Den größten Einschnitt muss das Fallschirmjägerbataillon 313 hinnehmen, das mit Selsingen patenschaftlich verbunden ist. Dieses wird nach den Plänen des Ministeriums aufgelöst. Das gilt auch für das Luftlandeunterstützungsbataillon 272 sowie die Luftlandeflugabwehrraketenbatterie 100. Die Luftlandeaufklärungskompanie 310 und die Luftlandepionierkompanie 270 indes bleiben bestehen. Das Fachsanitätszentrum soll in eine Regionale Sanitätsversorgung überführt werden.

Neu aufgestellt wird nach den vorgelegten Plänen die Rekrutenkompanie 1. Und was für den Standort Seedorf besonders bedeutend ist: Das rund 1000 Soldaten umfassende Fallschirmjägerbataillon 373 soll in Zukunft in das Fallschirmjägerregiment 31 umgewandelt werden. Das geht voraussichtlich einher mit einem deutlichen Personalzuwachs. Detaillierte Planungen werden allerdings erst in naher Zukunft folgen.

Insofern herrschten gestern gemischte Gefühle in der Kaserne. Gespannt und konzentriert verfolgten viele Soldaten am Nachmittag die Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière, die in „John‘s Pub“ auf einer Großbildleinwand übertragen wurde. Hier hörten sie, dass vor dem Hintergrund der drastischen Truppenreduzierung nahezu jeder Standort erhebliche Reduzierungen hinnehmen muss, überdies viele Kasernen geschlossen werden. Angesichts dieser Tatsachen und den Entscheidungen für Seedorf sprach der Standortälteste, Oberstleutnant Markus Thiel, nach dem Ende der Übertragung von einem „guten Tag“ für den Standort Seedorf. Denn: Es hätte weitaus schlimmer kommen können, so der Tenor.

„Ich bin froh, dass der Standort erhalten bleibt“, sagte Thiel und ergänzte, dass die Reduzierung um 780 Dienststellen seiner Ansicht nach „noch moderat ausgefallen“ sei. Bedauerlich sei jedoch die geplante Auflösung des Fallschirmjägerbataillons 313, ein innerhalb der Fallschirmjägertruppe traditionsreicher Verband.

Der Standortälteste hält es für denkbar, dass viele Soldaten des aufzulösenden Bataillons in das dann aufwachsende Fallschirmjägerregiment 31 überführt werden. Dies käme einer sozialen Abfederung gleich. Insgesamt sieht der Standortälteste für die Zukunft weiter eine „gute Basis“ in Seedorf – mit regional effizienteren Strukturen, die einsatz- und truppenorientiert ausgelegt seien. Als Beispiel nannte er die Verlegung des Luftlande- und Lufttransportausbildungsstützpunktes von Bayern nach Oldenburg, was deutlich kürzere Wege für die Kräfte aus Seedorf bedeute.

 

 

Artikel der Zevener Zeitung am 27.10.2011; Fotos und Text:Lutz Hilken