Fallschirmjägerbataillons 373

Geschichte

Das Fallschirmjägerbataillon 373, das jüngste Fallschirmjägerbataillon der Bundeswehr, wurde zum 01.07.1996 am Standort Doberlug-Kirchhain als einziges Fallschirmjägerbataillon in den neuen Bundesländern im Land Brandenburg aufgestellt. Es ging aus dem Panzerbataillon 373 hervor, das fünf Jahre zuvor am selben Standort in Dienst gestellt worden war.

Die Umgliederung von einem scheren Bataillon mit Kampfpanzer Leopard 1A5 in ein Fallschirmjägerbataillon wurde maßgeblich deshalb reibungslos bewältigt, weil zahlreiche erfahrene Fallschirmjäger der aufgelösten Luftlandebrigade 25 aus Calw, Nagold und Münsingen in das Fallschirmjägerbataillon 373 versetzt wurden. Zuvor hatten bereits im Juli 1995 die ersten „Panzersoldaten" am Fallschirmspringerlehrgang teilgenommen und an der Luftlande- und Lufttransportschule erste Erfahrungen im neuen Element „Luft" gesammelt.
So konnten bereits am 01.07.1996 die ersten Fallschirmjägerrekruten zur 3./Fallschirmjägerbataillon 373 einberufen und damit die regelmäßige Ausbildung aufgenommen werden.

Die erste Bewährungsprobe bestand das noch junge Bataillon im Hochwassereinsatz 1997 an der Oder. Aus der Luft angelandet, war das Fallschirmjägerbataillon 373 der erste Verband des deutschen Heeres, der den Kampf mit den Fluten aufnahm. Die Masse des Bataillons, das mit 250 Soldaten eingesetzt war, wurde mit drei mittleren Transporthubschraubern CH-53 im Luftmarsch in zwei Wellen in den Oderbruch verlegt. Die dort gesammelten Erfahrungen begünstigten auch den erfolgreichen Einsatz gegen die Elbe-Flut im August 2002.
Über die Katastropheneinsätze hinaus zeichnete sich das Bataillon insbesondere in der Übungsserie „Jäger 97 - 2000" unter dem Kommando der Jägerbrigade 37 aus. Seit 1998 führte das Fallschirmjägerbataillon 373 auch mehrfach die Kontingentausbildung für Auslandseinsätze auf dem Balkan für die Jägerbrigade 37 erfolgreich durch. Darüber hinaus sammelten eine Vielzahl von Führern selbst Einsatzerfahrungen in verschiedenen Kontingenten.

Die 4./Fallschirmjägerbataillon 373, damals die einzige Krisenreaktionskräftekompanie des Bataillons, kam dabei von November 1999 bis Mai 2000 im Kosovo zum Einsatz und erwarb sich insbesondere durch ihre Kriseneinsätze in Mitrovica einen guten Ruf. Zudem nahmen Angehörige des Bataillons an Auslandseinsätzen in Bosnien-Herzegowina, Albanien und Mazedonien teil.

Ab dem 01.01.2004 bereitet sich das Fallschirmjägerbataillon 373 auf den Auftrag im Rahmen der NATO Response Force (NRF) vor. Ein Jahr Vorbereitung und danach 6 Monate Stand-by-Phase für NRF 4 endeten in einer gemeinsamen multinationalen Übung auf Fuerteventura.
Direkt im Anschluss begann die 5./Fallschirmjägerbataillon 373 mit der Vorbereitung für ihren Einsatz in ISAF 10 in Afghanistan. Die Kompanie war im Schwerpunkt in Kabul eingesetzt. Der Einsatz endete erfolgreich im August 2006.

Im Dezember 2006 begann die Verlegung des Verbandes an den neuen Großstandort Seedorf. Seit Anfang 2007 vereint sich an diesem Standort ein Großteil der Oldenburgischen Luftlandebrigade 31.
Noch während der Verlegung begann am neuen Standort die Ausbildung der Einsatzkräfte für den bevorstehenden Einsatz bei ISAF 14 in Afghanistan. Seit Februar 2010 befindet sich das Fallschirmjägerbataillon 373 erneut im Einsatz bei ISAF 22 in Afghanistan.

 

 

Verbandsabzeichen

Die Oldenburgische Luftlandebrigade 31 hat mit den beiden Fallschirmjägerbataillonen 313 und 373, der 3. Kompanien des Luftlandeunterstützungsbataillon 272 sowie den selbständigen Kompanien, der Luftlandepionierkompanie 270, Luftlandeaufklärungskompanie 310, und der Luftlandeflugabwehrraketenbatterie 100, an den neuen Großstandort Seedorf verlegt.

Im Zuge dieser Verlegung hat das Fallschirmjägerbataillon 373 das Verbandsabzeichen geändert, da das aus Doberlug-Kirchhain bekannte Wappen von 373 einen stark regionalen Bezug zum brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis aufwies.

Das neue im Februar 2007 genehmigte interne Verbandsabzeichen verbindet alle Traditionsstränge des Fallschirmjägerbataillons 373 und löst sich vom bisherigen ausschließlich regionalen Bezug des ehemaligen Stationierungsortes Doberlug-Kirchhain. Das Verbandsabzeichen nimmt damit Bezug zum 1996 aufgelösten Fallschirmjägerbataillon 252 (Nagold). Aus diesem Bataillon rekrutierten sich bei der Aufstellung des Fallschirmjägerbataillons 373 im Jahr 1996 zahlreiche „Männer der ersten Stunde“ und spiegelt zudem die damit übernommene Tradition des Jägerbataillons Graf-Yorck-von-Wartenburg (Ostpreußisches) Nr.1 und seiner Nachfolgebataillone („Yorcksche Jäger“) wider.

Die Farben des Grundschildes (rot/weiß) als regionaler Bezug, weisen zugleich auf die Landesfarben des ehemaligen Stationierungslandes wie auch auf die Wappenfarben der neuen Heimat Niedersachsen hin. Der Fallschirm weist auf den ureigenen Geist und die besondere Tradition eines Fallschirmjägerbataillons hin und ist in seiner Form an das Verbandsabzeichen der ehemaligen 1. Luftlandedivision angelehnt.
Der greifende Adler nimmt schließlich in seiner Form auf das alte Wappentier des Fallschirmjägerbataillons 373 und in seiner Farbgebung (schwarze Grundfarbe – korrespondierend mit dem Wappenrand - und rote Bewehrung) auf den Bundesadler Bezug.
Damit schließt sich gleichermaßen aus verschiedenen Traditionslinien kommend der Kreis zu der 10-jährigen eigenen Tradition des Bataillons als Fallschirmjägerbataillon.

 

Auftrag

Das Fallschirmjägerbataillon 373 aus Seedorf gehört zur Oldenburgischen Luftlandebrigade 31, die der Division Spezielle Operationen in Regensburg untersteht. Zu den spezialisierten Kräften des Heeres gehörend ist das Fallschirmjägerbataillon 373 besonders befähigt, um den infanteristischen Kampf vor allem in bebautem, sowie bewaldetem Gelände, Luftlandeoperationen, Operationen in der Tiefe, schnelle Anfangsoperationen, militärische Evakuierungsoperationen und Operationen gegen irreguläre Kräfte zu führen.

Operationen gegen irreguläre Kräfte, der Schwerpunkt im Aufgabenspektrum des Bataillons, meint den Einsatz gegen einen nicht klar identifizierbaren Gegner. Oftmals werden diese Kräfte auch als Terroristen, Guerillas oder Partisanen bezeichnet. Diese kämpfen verdeckt und halten sich regelmäßig nicht an das Völkerrecht. Einsätze gegen diese Kräfte erfordern eine Vielzahl militärischer Fähigkeiten, die weit über den rein infanteristischen Einsatz hinausgehen. Dem eigentlichen Einsatz geht eine oft monatelange Aufklärungsoperation voraus. Operationen gegen irreguläre Kräfte werden mit der Zielsetzung geführt, dem Gegner die mögliche Unterstützung durch sein Umfeld zu entziehen, ihn zu isolieren und so künftige Handlungen zu unterbinden.
Operationen in der Tiefe sind eine Form des indirekten Vorgehens. Sie haben den Zweck, dem Gegner die Handlungsinitiative zu entreißen, um selbst die Initiative zu gewinnen. Dabei werden eigene Kräfte hinter den feindlichen Linien abgesetzt und nach Einsatzende wieder zurückverlegt oder durch andere Kräfte aufgenommen. Ein solcher Einsatz erfordert das enge Zusammenwirken verschiedener Kräfte und wird sich in der Regel auf Situationen eines hochintensiven Gefechtes beschränken.

Schnelle Anfangsoperationen umfassen die Befähigung, aus der Luft oder von See rasch einsatzwichtige Infrastruktur wie Häfen oder Flugplätze in die eigene Hand zu bekommen. Zu Beginn einer schnellen Anfangsoperation schaffen die Soldaten der Division Spezielle Operationen die Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von Folgekräften in einem Einsatzgebiet im Ausland. Die Hauptkräfte können dann nach dem Einsatz der Division Spezielle Operationen sicher im Einsatzgebiet landen.

Militärische Evakuierungsoperationen sind der Sammelbegriff für Operationen, bei denen Menschen im Ausland aus drohender Lebensgefahr gerettet werden. Bei militärischen Evakuierungsoperationen werden deutsche Staatsbürger, sowie gegebenenfalls Bürger anderer Nationen, durch Soldaten der Bundeswehr aus Krisen- und Kriegsgebieten gerettet.